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Kongres Soest 2012
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Hubert Luszczynski
Koordinator f├╝r interregionale
Zusammenarbeit im Bildungsbereich
mit den MOE-Staaten
Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier
- Au├čenstelle Koblenz - Hubert Luszczynski schreib:


Sehr geehrte Frau Barejko-Knops,

ich danke Ihnen sehr f├╝r die Zusendung der Fernsehaufzeichnung, die Pepe-TV von Ihrem beachtenswerten Kongress in Soest gemacht hat. Sehr gern habe ich die Gelegenheit genutzt, um mir die wichtigsten Phasen des Kongresses noch einmal vor Augen zu f├╝hren.

Zun├Ąchst einmal erinnerte ich mich an die hervorragende und sehr professionelle Organisation Ihrer Jubil├Ąumsveranstaltung zum 15. Jahrestag des Bestehens Ihres Vereins. Die hochrangige Besetzung aus den Bereichen von Politik, Wissenschaft und Publizistik haben die gro├če Bedeutung der Veranstaltung unterstrichen. Aber nicht nur die Tatsache, dass Sie ein kleines Jubil├Ąums feiern konnten, machte den Kongress zu einem Meilenstein auf dem Weg zur Verbesserung der deutsch-polnischen Beziehungen auf dem Gebiet der Bildungspolitik so wichtig. Im Jahre 1 nach dem 20. Jubil├Ąum des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags lohnte es sich, Bilanz zu ziehen und Perspektiven aufzuzeigen. Und eben dies ist Ihnen und den Damen und Herren Ihres Vereins aufs Beste gelungen.

Lassen Sie mich drei Aspekte hervorheben, die ich pers├Ânlich mitgenommen habe:

1. Die Entwicklung der deutschen Sprache in Polen und der polnischen Sprache in Deutschland ist auf den ersten Blick nicht ohne Weiteres miteinander zu vergleichen. W├Ąhrend die deutsche Sprache im polnischen Bildungswesen neben dem Englischen schon immer eine gro├če Rolle spielte und daher in fast allen Schulen angeboten wurde, ist die Notwendigkeit der Einf├╝hrung von Polnisch als Herkunftssprache eine Folge der j├╝ngeren deutsch-polnischen Geschichte, die ma├čgeblich zu tun hat mit der ├ťbersiedlung polnischer Familien nach Deutschland. Wir sollten daraus lernen, dass die Einf├╝hrung neuer Sprachen - ├Ąhnlich dem Deutschen in Polen – einen langen Atem ben├Âtigt. Darum f├╝hlen wir uns in Rheinland-Pfalz in unsrer Vorgehensweise best├Ątigt, indem wir behutsam Schritt f├╝r Schritt – oder besser: Jahr f├╝r Jahr – mit nachhaltigem Erfolg Polnisch als Herkunftssprache in zentralen Orten einf├╝hren konnten, weil die polnischen Mitb├╝rgerinnen und Mitb├╝rger es gew├╝nscht haben. So sind wir besonders froh dar├╝ber, dass wir beispielsweise mit Beginn des Schuljahres 2012/13 auch an den Standorten Ludwigshafen, Landau, Kaiserslautern und Speyer Polnisch als Herkunftssprache anbieten und heute insgesamt rund 400 Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern Polnischunterricht anbieten. Dabei ist jetzt schon abzusehen, dass an allen Standorten die Nachfrage nach Polnisch steigen wird. – Ungeachtet dessen beobachten wir mit etwas Sorge, dass inzwischen Deutsch als Fremdsprache an polnischen Schulen vom Englischen auf den 2. Platz verwiesen wurde, wenn inzwischen nur noch 40% der polnischen Sch├╝ler Deutsch als Fremdsprache lernen, w├Ąhrend rund 50% Englisch w├Ąhlen. Auch erfahren wir aus polnischen Schulen, dass der erweiterte Deutschunterricht mancherorts so erheblich gek├╝rzt wurde, dass sich die Deutschlehrerinnen und -lehrer nicht nur um die Qualit├Ąt der Abschlusspr├╝fungen sorgen, sondern auch ein Nachlassen des Interesses am deutsch-polnischen Sch├╝leraustausch bef├╝rchten. Und das ist eine Entwicklung, die uns ebenfalls Sorgen bereitet..

2. Mit gro├čer Bewunderung beobachte ich jene Lehrerinnen und Lehrer, die bei uns den Polnischunterricht als Herkunftssprache erteilen. Sie arbeiten auf der Grundlage unseres Rahmenplans f├╝r alle herkunftssprachlichen F├Ącher, erteilen Noten, die in die Zeugnisse ihrer Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler aufzunehmen sind, und haben dennoch einen gro├čen Zuspruch. Im Wissen um diese besondere Herausforderung, in der der Fortbestand ihres Unterrichts von der bestehenden oder steigenden Nachfrage der Eltern abh├Ąngt, engagieren sie sich ├╝berdurchschnittlich bei hoher Akzeptanz durch die jeweiligen Eltern der Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler. Ihr Verein, sehr geehrte Frau Barejko-Knops, ist bei uns f├╝r diese Lehrerinnen und Lehrer nicht nur eine wichtige didaktische und methodische St├╝tze, die in den vielen hochwertigen Fortbildungen zum Ausdruck kommt, die Sie anbieten, sondern auch eine Quelle der Inspiration f├╝r einen gelungenen Umgang mit den Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern und ihren Eltern. Ihre Jubil├Ąumsveranstaltung war darum auch f├╝r mich ein guter Anlass, Ihnen und den Damen und Herren meinen Dank und meine besondere Anerkennung f├╝r die bisher geleistete Arbeit auszusprechen. – Und schlie├člich:

3. Gemeinsam mit den acht Bundesl├Ąndern, in denen Polnisch als Herkunftssprache unterrichtet wird, freuen wir uns, den polnischst├Ąmmigen Eltern und ihren Kindern die M├Âglichkeit geben zu k├Ânnen, ihre Muttersprache weiter so zu pflegen, dass sowohl die privaten als auch die gesellschaftlichen Kontakte nach Polen auf hohem Niveau beibehalten werden k├Ânnen. Dabei sind wir uns auch dessen bewusst, dass erst die mit dem fortgesetzten Erwerb der Muttersprache einhergehende Stabilisierung der eigenen Identit├Ąt die entscheidende Voraussetzung f├╝r eine ├ľffnung gegen├╝ber der deutschen Gesellschaft darstellt. Diesen Zusammenhang in der Schule angemessen zu w├╝rdigen, kann aber nicht allein die Aufgabe acht der sechzehn deutschen Bundesl├Ąnder sein. Im Sinne der Gleichwertigkeit der Lebensverh├Ąltnisse in ganz Deutschland erscheint es mir als eine notwendige nationale Aufgabe, Polnischunterricht als Herkunftssprache in allen Bundesl├Ąndern und Stadtstaaten anzubieten. Daher erachte ich es als w├╝nschenswert, wenn die Bundesregierung als Vertragspartner im Nachbarschaftsvertrag mehr als bisher im Sinne der Konnektivit├Ąt die L├Ąnder in Ihrer F├Ârderung von Polnisch als Muttersprache auch finanziell unterst├╝tzen w├╝rde. Im Hinblick auf die deutsch-polnische Geschichte des letzten Jahrhunderts w├Ąre dies ein wichtiges Signal daf├╝r, dass die Bundesrepublik Deutschland die F├Ârderung der polnischen Sprache ernst nimmt und damit gemeinsam mit allen Bundessl├Ąndern und Stadtstaaten auch auf diesem Politikfeld ein wirklich zuverl├Ąssiger Partner auf Dauer ist.

Ich w├╝nsche Ihnen und den Damen und Herren Ihres Vereins weiterhin eine erfolgreiche und gl├╝ckliche Entwicklung zum Wohle jener Menschen, die als polnischst├Ąmmige Mitb├╝rgerinnen und Mitb├╝rger bei uns wohnen und ein Recht auf die Pflege ihrer Herkunfssprache haben.

Mit freundlichen Gr├╝├čen

Hubert Luszczynski
Koordinator f├╝r interregionale
Zusammenarbeit im Bildungsbereich
mit den MOE-Staaten
Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier
- Au├čenstelle Koblenz -