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Prasa
Seit wann sind Sie Vorsitzende des Vereins der Polnischlehrer
und PĂ€dagogen in Deutschland?




- Seit der GrĂŒndung des Vereins, d.h. seit Juni 1997


- Wie sieht Ihre TĂ€tigkeit fĂŒr den Verein aus?

Seit zehn Jahren organisiere ich einmal im Monat Konferenzen
im Kreis der Lehrerinnen, wo wir uns ĂŒber unsere Erfahrungen
austauschen können. Mehrmals im Jahr organisiere ich Fortbildungen
fĂŒr die LehrerInnen. ZusĂ€tzlich veranstalten wir gemeinsam
eine Reihe außerschulicher Veranstaltungen fĂŒr die SchĂŒlerInnen.
Dazu noch als Anlage : AktivitÀten des Vereines


Wie viele gibt es Polnischlehrer?
Lehrerinnen, die an den Schulen arbeiten, sind ca. 40.
Aber gibt es viel mehr, die an karitativen Organisationen,
z.B. an der Katholischen Mission, arbeiten.

Wie viele gibt es Polnische SchĂŒler?
-3000 an den Schulen, davon ca. 2500 in NRW.

WofĂŒr setzt sich der Verein ein?

FĂŒr die Förderung der Mehrsprachigkeit der Kinder und somit
auch fĂŒr die Förderung der polnischen Sprache.
Es ist besonders wichtig in und fĂŒr Deutschland,
aber auch fĂŒr Europa und die Welt, dass Kinder,
die mit zwei, manchmal mit mehreren Sprachen aufwachsen,
die Chance erhalten, die eigene Muttersprache zu entwickeln.
In Zeiten knapper Geldmittel sollte man alle vorhandenen Ressourcen,
in diesem Fall, bereits vorhandene SprachkapazitÀten maximal ausnutzen.
Schließlich sprechen die MigrantenschĂŒler zwar mit unterschiedlicher
HĂ€ufigkeit und Kompetenz die Sprache ihres Herkunftslandes.
Aber auch wenn ihre Sprachkompetenzen in verschiedenen Sprachen
unterschiedlich sind, so ist doch die mehrsprachige Kommunikation
eine grundlegende Erfahrung dieser Kinder, die wir besonders heute
im zusammen wachsenden Europa ernst nehmen sollten.
Vor ca. 30 Jahren hat man daher in einigen BundeslĂ€ndern den Muttersprachlichen Unterricht eingefĂŒhrt, dessen vorrangige Aufgabe war und ist,
diesen Schatz nÀmlich, die vorhandenen SprachfÀhigkeiten
und die damit einhergehende interkulturelle HandlungsfÀhikeit
nicht nur zu erhalten sondern auch zu fördern , um die junge Generation
auf eine kulturell plurale Lebenswirklichkeit besser vorzubereiten.

Inwiefern setzen Sie sich damit fĂŒr das Gemeinwohl ein?
Die Muttersprachen haben eine wichtige Funktion nicht nur
fĂŒr die individuelle Sozialisation, sondern auch fĂŒr die Speicherung
des kollektiven Wissens in unterschiedlichen Kulturen, also fĂŒr die
Erhaltung des kollektiven Welterbes.
Die Zukunft Europas wird mehrsprachig sein.
Die Bildungsminister der EuropÀischen Union haben bereits 1995 beschlossen,
dass alle SchulabgÀnger der Union 3 Sprachen beherrschen sollen!
In einem solchen Konzept muss auch der Muttersprachliche Unterricht
seinen Platz finden. Der Wert der Mehrsprachigkeit ist auf gesamteuropÀischer
Ebene erkannt worden.
In einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit so hoch ist, haben unsere SchĂŒler
ein Recht, wenigstens auf Chancengleichheit im zusammenwachsenden Europa.
Und sie bringen ja etwas ein. Die bei den SchĂŒlern
des Muttersprachlichen Unterrichts bereits vorhandenen SprachfÀhigkeiten
sind ein besonderes Startkapital fĂŒr den Ausbau der Kommunikation zwischen LĂ€ndern,
die im Kultur- und Wirtschaftsaustausch zwischen Deutschland und anderen LĂ€ndern begehrt sind und sein werden.

Nebenbei spart man auch in der Zukunft Kosten fĂŒr Dolmetscher,
Übersetzer und zusĂ€tzliche, sehr teure Sprachschulen.



Was genau machen Sie in Leverkusen?


In Leverkusen unterrichte ich Russisch , damit auch die russischen Kinder
ihre KapazitÀten besser ausnutzen können und damit auch sie mehr Chancen
im gemeinsamen Europa bekommen.
Ich selbst spreche 6 Sprachen, an der Kölner UniversitÀt habe ich Slawistik
mit Polnisch und Russisch und an der Romanistik Spanisch und Französisch studiert.
Der verstorbene Schriftsteller Lev Kopelev hatte in den achtzigen Jahren
als ein Gastprofessor an der Kölner Uni zu uns gesagt "Je mehr Sprachen man spricht,
um so mehr Seelen hat man".
WÀre Europa nicht konfliktfreier, hÀtte man die verschiedenen
MentalitÀten und Kulturen besser kennen gelernt ?

Warum sollte es an deutschen Schulen mehr Polnisch-Unterricht geben?
Erstens:

1.weil ein Bedarf da ist.
2. weil Polen unser direkter Nachbar ist
3. weil 36Tausend ! Deutsche umgekehrt in Polen das Angebot haben,
dort Deutsch als Muttersprache zu lernen, und der polnische Staat das finanziert.
Hier in Deutschland sind es ca. 3000 SchĂŒlerInnen, die am Polnischunterricht
in der Schule teilnehmen, aber viele mehr , die sich ĂŒber ein Angebot
fĂŒr diesen Unterricht gefreut hĂ€tten.
4. weil alle anderen Sprachen auch unterricht werden.
Waren Sie ĂŒberrascht als das Schreiben kam?

Ja, ziemlich. Aber um so mehr Freude kam auf mich zu.
Ich fĂŒhle mich natĂŒrlich sehr geehrt und verstehe die Welt bis heute nicht.
Es ist ĂŒberraschend fĂŒr mich, weil ich in erster Linie PĂ€dagogin bin,
die sich stets dafĂŒr plĂ€diert und einsetzt, dass man die SprachfĂ€higkeiten
der Kinder noch besser und intensiver fördert. Aber das kostet Geld
und deswegen gefÀllt mein Anliegen nicht immer Allen.

Was glauben Sie: Wie wurde das BundesprÀsidialamt auf Sie aufmerksam?
Ich glaube, das Ministerium fĂŒr Schule und Weiterbildung
und meine Vorgesetzten an der Bezirksregierung Köln haben mich vorgeschlagen.
Meine AktivitÀten als Vorsitzende des Vereins sind im Laufe der Jahre mehr
und mehr bekannt geworden.
An der Bezirksregierung Köln engagiere ich mich in der QualitÀtssicherung
des Unterrichts und leite seit Jahren Fortbildungen fĂŒr die Lehrer.
Selbst nutze ich viele Gelegenheiten, oft in den Ferien, mich fortzubilden,
um diese Erfahrungen dann im Schuljahr an die KollegInnen weiterzugeben.


Wie wird Ihr Aufenthalt in Berlin aussehen? Gibt es ein Programm?

Am 8. Januar haben wir eine Vorbesprechung im Schloss Bellevue, mit Ehepartner.
Dann, am 9. Januar schon kurz vor 9.00 Uhr werden wir abgeholt.
Es gibt 70 eingeladene GÀste aus allen BundeslÀndern. Jeder von uns wird
dem BundesprÀsidenten mit seinen Verdiensten vorgestellt
und dann bekommt jeder von uns die Chance, den BundesprÀsidenten persönlich
zu sprechen. Nach dem Mittagessen ist ein Begleitprogramm vorgesehen.
Sind Sie nervös, den BundesprÀsidenten zu treffen? Bereiten Sie sich in irgendeiner Weise vor? Bringen Sie ihm vielleicht sogar etwas mit?
Nervös nicht , aber doch sehr gespannt.
Ich bringe Ihm eine Mappe voller NeujahrswĂŒnsche mit Zeichnungen
und selbst gestalteten Grußkarten von lernhungrigen Polnisch-SchĂŒlerInnen
aus ganz Deutschland. Gibt es etwas Schöneres, was eine Lehrerin ĂŒberbringen kann?

Der BundesprÀsident hat nicht zuletzt beim Finale der Handball-WM gezeigt,
dass er ein Freund Polens ist? Werden Sie ihn darauf ansprechen?

Ich bin leider kein Sportexperte. Aber deutsch-polnische AnnÀherungen
haben Tradition. Es ist nicht ĂŒberliefert, ob der deutsche J.W. von Goethe
und der polnische Adam Mickiewicz miteinander Ball gespielt haben.
Sicher ist aber, dass sich die beiden Schriftsteller hoch geachtet
und sprachlich gemessen haben und dass Goethe dem jĂŒngeren Kollegen
aus Anerkennung in Weimar seine Schreibfeder vermacht hat.
Überliefert ist auch das Motto des "Sports" dieser beiden Herren,
was da lautete: "Wer die fremden Sprachen nicht kennt, weiß nichts von der eigenen".

Was zieht man an, wenn man den wichtigsten Mann Deutschlands trifft?
Im Protokoll steht nachzulesen, es seien Nationaltrachten gerne gesehen.
Aber ich glaube, Schwarz und Silber sind die angemessenen Farben
meines KostĂŒms fĂŒr diesen Tag und auch fĂŒr mich.

Wir sind im Hotel Hilton untergebracht, werden dort aber wohl lediglich
zur Nachtruhe verweilen und die wenigen Stunden ausserhalb des Termins
im Schloss intensiv nutzen, um Berliner Luft zu schnuppern.
Dann bin ich wohl per handy zu erreichen unter 0173 / 685 29 31.

Vielen Dank fĂŒr das Interview und herzliche GrĂŒĂŸe an Sie und Ihre Redaktion
Liliana Barejko-Knops





In Köln unterrichte ich Polnisch an der Heinrch –Mann Gymnasium und FriedrichWilhelm Hymnasium aber in Leverkusen Russisch , damit auch die russischen Kinder ihre KapazitĂ€ten besser ausnutzen können und damit auch sie mehr Chancen im gemeinsamen Europa bekommen.
Ich selbst spreche 6 Sprachen, an der Kölner UniversitĂ€t habe ich Slawistik mit Polnisch und Russisch und an der Romanistik Spanisch und Französisch studiert. Der verstorbene Schriftsteller Lev Kopelev hatte in den achtzigen Jahren als ein Gastprofessor an der Kölner Uni zu uns gesagt „Je mehr Sprachen man spricht, um so mehr Seelen hat man“.
WÀre Europa nicht konfliktfreier, hÀtte man die verschiedenen MentalitÀten und Kulturen besser kennen gelernt ?